Der Entwurf von Vanessa Kaufmann für die Produktinszenierung von Basotec für BASF hat die Jury des Studentenwettbewerbes überzeugt und wurde für den Messestand auf der internationalen Messe BAU 2015 in München realisiert. Das Projekt wurde im Masterstudiengang unter der Leitung von Prof. Johannes Kiefer in Kooperation mit der BASF AG entwickelt.

 

Vanessa Kaufmann:

Lärm gehört in unserer modernen Zeit zu einer der größten Umweltbelastungen. Unser Bedürfnis nach Ruhe wächst stetig. Schallabsoption in Innenräumen ist ein wichtiges, bei vielen Innenarchitekten noch unterschätztes Thema.

Die Firma BASF hat unter der Bezeichnung Basotect® ein hochwirksames Produkt zur Schallabsorption entwickelt. In der Praxis wird Basotect® überwiegend nicht unter gestalterischen, sondern unter rein technischen Aspekten eingesetzt. Um die dem Material innewohnenden gestalterischen Möglichkeiten auszuloten, initiierte die Firma BASF im Sommersemester 2014 einen Studentenwettbewerb mit Studierenden des Masterstudiengang Innenarchitektur „Conceptual Design“ an der Hochschule RheinMain unter Leitung von Prof. Johannes Kiefer.

Wunsch und Aufgabe war es einen ästhetisch ansprechenden und innovativen Entwurf aus dem Basotect® für den BASF-eigenen Messestand auf der BAU 2015 im Januar in München zu entwickeln. Diesen Wettbewerb habe ich mit meinem Vorschlag gewonnen. Hier mein Bericht: Schon während meines Bachelorstudium an der Hochschule RheinMain setzte ich mich mit dem Thema Bauphysik/Akustik auseinander. Da ich dieses Thema generell sehr spannend und wichtig finde, fiel mir die Entscheidung dieses Entwurfsprojekt in meinem zweiten Mastersemester zu belegen nicht schwer.

Was genau ist Basotect®? Basotect® ist ein hochwirksamer Schallabsorber, der oft im Sichtbereich von Schwimmbädern oder Großraumbüros eingesetzt wird. Das Material ist porös, besonders leicht, biegsam, einfach zu verarbeiten, in verschiedenen Stärken erhältlich und hat eine homogene graue bis weiße Oberfläche. Bekannt ist es auch unter dem Namen Zauberschwamm, ein sogenannter Schmutzradierer für den Haushalt. Für ein erstes Briefing wurde unsere Projektgruppe nach Ludwigshafen in das BASF-Werk eingeladen. Wir bekamen Einblick in die Werkstatt in der mit Basotect® experimentiert wurde, lernten die Ansprechpartner und Projektleiter kennen und bekamen die planerischen Vorgaben für den

Messestand. Im Laufe des Projektes gab es zwei weitere Termine, bei denen unser Besuch erwidert wurde und das BASF-Team nach Wiesbaden kam, um mit uns die entstandenen Entwürfe zu besprechen. Unsere Herangehensweise war zuerst experimentell. Wir wollten die Grenzen des Materials kennenlernen um daraus Ideen für die Gestaltung abzuleiten. Später beschäftigte uns eine besondere Materialeigenschaft: Die Offenporigkeit. Einerseits ist sie ursächlich für die Schallabsorption, andereseits folgt daraus eine starke Schmutz- und Vandalismusanfälligkeit. Auch eine schützenden Beschichtung würde dieses Problem nicht lösen, da so die absorbierende Wirkung des Materials beeinträchtigt werden würde.

Die Frage an den Gestalter lautet also: Wie muss ein Objekt aus Basotect® gestaltet sein, das sowohl seine schallabsorbierende Wirkung entfaltet, als auch eine Woche auf dem Messestand ohne Beschädigung überleben kann ?

Mein Ansatz war es, die Oberfläche des großen Küchenblocks im hinteren Bereich des Standes als Träger zu nutzen. Ich entwickelte eine Wellenform, die sich von der absorbierten Schallwelle ableitet und die Physik somit in ein ästhetisches Erscheinungsbild übersetzt. Akustik soll so sichtbar gemacht werden und die Kommunikation zwischen Stand und Besucher fördern. Die komplett ummantelte Rückwand fügt sich in den Stand ein, wirkt wie ein großer Werbeträger über die Köpfe der Besucher hinweg auf die Ferne und wird durch farblich wechselnde Beleuchtung in der Wirkung verstärkt. Da das Material nur überkopf eingesetzt wird, reduziert sich das Problem Vandalismus. Diese Idee gewann aufgrund der einfachen Umsetzung den Wettbewerb und das ausgesetzte Preisgeld. Basotect® muss hierfür lediglich in gleichbreite Streifen geschnitten werden, um dann auf die vorgefertigten

Platten in Formteile eingesteckt zu werden. So ergibt sich die Wellenform von selbst und das Material bleibt in seiner reinen Form erhalten. Durch das geringe Gewicht der Streifen ist keine weitere Befestigung nötig. Da Platten in verschiedenen Stärken verwendet werden, verjüngen sich die Wellen nach oben.

Ich war begeistert, im Januar meinen Entwurf nahezu unverändert auf der BAU in München bewundern zu dürfen und werde versuchen, mich auch in Zukunft dem Thema Akustik & Ästhetik zu widmen